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Zum Begriff "Lernen" in der Psychologie

Der Begriff "Lernen" wird in der Alltagssprache hauptsächlich verwendet im Sinne von "Wissensaneignung": eine Sprache lernen, ein Handwerk lernen. Der psychologische Lernbegriff ist viel umfassender und kann sich auf jede Art von Verhalten beziehen.
So werden z .B. auch Einstellungen, Gefühle, Vorurteile, Bedürfnisse und sogar körperliche Reaktionen gelernt.

Der Prozess des Lernens läuft im Menschen ab (inneres Verhalten) und kann deshalb nicht beobachtet werden. Man kann also nicht feststellen, wie jemand lernt, sondern nur, dass er etwas gelernt hat, was sich darin zeigt, dass sich sein Verhalten geändert hat.

Daraus ergibt sich folgende

 

Definition

Lernen (bzw. ein Lernprozess) hat stattgefunden, wenn in einer bestimmten Reizsituation eine stabile, überdauernde Verhaltensänderung auftritt, die weder durch biologische Faktoren (z.B. Reflexe, Instinkte, Gehirnreifung) noch durch Verletzung des Organismus (z.B. Gehirnverletzung, Erkrankung, Operation) bedingt ist.

 

Erklärung der Definition

Reizsituation:
Der Betreffende ist vorher (S1) und nachher (S1) der gleichen Situation mit den gleichen Reizen ausgesetzt.
Verhaltensänderung:
Sein Verhalten (=Reaktion) hat sich beim zweiten Mal (R2) gegenüber dem ersten Mal (R1) in dieser Situation verändert.
Überdauernd:
Die Verhaltensänderung ist nicht nur zufällig und einmalig, sondern das neue Verhalten bleibt über einen längeren Zeitraum erhalten, d.h. es wird jedesmal in der Situation S1 gezeigt.
Stabil:
Das neu gelernte Verhalten ändert sich über diesen Zeitraum hinweg nicht mehr.
Nicht durch biologische Faktoren oder Verletzung bedingt:
Beispiel: Wer sich den Fuß verstaucht hat und danach hinkt, hat zwar auch sein Verhalten geändert, aber trotzdem kann man nicht sagen, dass er das Hinken gelernt hat, denn es ist durch die Verstauchung bedingt.

 

Lernen = Verhaltensänderung 

 

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